Wer früher einen Mann oder eine Frau fürs Leben gesucht hat, der hat eine Annonce in der örtlichen Tageszeitung geschaltet und gewartet. Aus den vielen oder wenigen Briefen suchte Mann oder Frau sich einen oder mehrere Kandidaten aus und verabredete sich im Cafe am Ort. Kennzeichen waren entweder eine rote Rose, wahlweise auch Nelke und für die Intellektuellen, die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Wenn der- oder diejenige so gar nicht ins Schema passte, wurde an der Tür wieder rumgedreht und das war’s dann.
Mittlerweile hat das Internet die Partnerschaftsvermittlung übernommen. Aber das ist für viele entweder zu kompliziert, zu unpersönlich oder zu gefährlich. Das Foto eine Adonis ins Netz stellen, der sich letztendlich als Otto Normalverbraucher rausstellt, kann schließlich fast jeder.
Aber auch das ist mittlerweile altmodisch und total überholt. Dating Shows oder zu Deutsch Kuppel Shows sind mittlerweile die neuen Partnervermittlungen. Mit ein bisschen Glück landet man in einer der beliebten Quotenrenner bei RTL. Neben verzweifelten Landwirten, die eine Bäuerin für den gemeinsamen Lebensweg suchen, werden auch alle die angesprochen die seit ihrer Geburt bei Mama leben. „Schwiegertochter gesucht“ heißt das Konzept.
Am 15. April 2007 ging der Sender aus Köln erstmals mit „Schwiegertochter gesucht“ auf Sendung und fuhr auf Anhieb eine beachtliche Quote ein. Worum geht es bei „Schwiegertochter gesucht“ eigentlich? Ganz einfach. In Deutschland gibt es eine Menge Männer die sich nichts Schöneres vorstellen können, als bei Mama zu leben. Wer kennt einen Mann schon so gut wie seine Mutter? Und wer kann Mama schon das Wasser reichen? Keine. Das wissen wir spätestens seit dem antiken Ödipus, der wenn auch unwissentlich, seine eigene Mutter sogar geheiratet hat und aus Loriots „Ödipussy“. Wer kann die Hemden perfekt und ohne einen Kniff bügeln, wer brät zu später Stunde noch das restliche Kartoffelpüree auf und wer kümmert sich um die Frau fürs Leben? Richtig, Mama!
Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem Mama keine Lust mehr hat für den Sohn der die Dreißig schon locker überschritten hat, die Socken zu waschen, ihn zu jeder Tages- und Nachtzeit zu bekochen und ewig hinter ihm herzuräumen. Da aber Männer sehr zur Bequemlichkeit neigen, denken sie gar nicht daran, das gemütliche Hotel Mama zu verlassen. Was tun? Mama hat jetzt zwei Möglichkeiten: Zum einen könnte sie sich auf konventionelle Art und Weise nach einer passablen und geeigneten Schwiegertochter umsehen, sie könnte also wieder die berühmte Annonce mit Chiffre Nummer aufgeben oder sie fragt mal bei RTL nach. Was passiert wenn sie sich an RTL wendet, dass konnten wir in „Schwiegertochter gesucht“ miterleben.
RTL bietet verzweifelten Langzeitmüttern eine perfekte Plattform, für den nervenden Sprössling die Frau fürs Leben zu suchen und vielleicht auch zu finden. RTL wird damit zu einem Retter für die ganz hoffnungslosen Fälle. Im Herbst/Winter gingen die Scouts des Senders auf Suche nach Müttern und heiratswilligen Söhnen. Sie wurden sehr schnell fündig. Aus allen Ecken der Republik meldeten sich Mütter, die bereit waren ihre Söhne an den meistbietenden zu verhökern, pardon, die die Chance wahrnahmen, ihre Nesthocker ein für alle mal loszuwerden. RTL fand sieben Junggesellen und ihre Mütter. Wer meint, man hätte für diese schwierige Mission lediglich unscheinbare oder unansehnliche Exemplare gefunden, der wurde schnell eines besseren belehrt. Alle sieben hatten auf den ersten Blick durchaus das Zeug dazu, auch auf dem freien Markt eine nette Frau zu finden.
Da ist Benjamin, ein recht gutaussehender junger Mann, mit 26 Jahren der Jüngste des Septetts und nach eigenen Angaben (oder nach denen seiner Mutter) ein attraktiver Partygänger. Er sei sportlich, unternehmungslustig, zielsicher, selbstbewusst und gesellig, sagt Benjamin. Da kommt schnell die Frage auf, warum findet ein Mann in den besten Jahren, der keine Sause auslässt, keine passende Frau? Seine zukünftige sollte mit beiden Beinen im Leben stehen und lebenslustig und treu sein und das gewisse Etwas haben. Die Ansprüche sind nicht allzu hoch. Mama ist auch ganz flott, also wo liegt das Problem? Vielleicht will er auch nur mal ins Fernsehen.
Dann gibt es da Hans, 32 Jahre alt und ein kerniger Naturbursche. Der im Sternzeichen Schütze geborene, rundliche Bayer beschreibt sich als humorvoll, sportlich (sind irgendwie alle) weltoffen, unternehmungslustig und spontan, ein Genussmensch. Hans und seine Mutter suchen nun eine Frau die möglichst unkompliziert (wer will schon komplizierte Frauen?) und sympathisch und nett ist. Das Aussehen spielt eine eher untergeordnete Rolle. Das dürfte im Grunde auch kein Problem sein oder?
Der dritte im Bunde ist Dirk, eine rheinische Frohnatur, Fußballfan und Karnevalist mit einer eigenen Radio Show. Dirk und Mama suchen eine Frau die treu und ehrlich ist, schöne Augen und ein nettes Lächeln hat. Das Aussehen spielt aber auch bei ihm keine so gewichtige Rolle. Vielleicht sollte sie aber bereit sein, ihre Samstage bei jedem Wetter in einem Stadion zu verbringen und Lust am Verkleiden haben. Sich selbst sieht Dirk als charmant, aufrichtig, romantisch und redegewandt. Aber es soll ja auch Frauen geben, die lieber zuhören als selbst zu reden.
Aus Baden-Württemberg kommt Norbert. Der 42-Jährige ist Chefkoch im eigenen Landgasthof und immer lustig, sagt er über sich. Außerdem ist Norbert sportlich, fährt gerne ins Grüne und ist gesellig (was sonst?) und sehr wichtig, treu. Seine Zukünftige sollte bodenständig sein, gerne auf dem Lande leben wollen und bereit sein, mit ihm zusammen Beruf und Freizeit zu teilen. Er möchte also eine Frau, die mit ihm den Landgasthof führt und harte Arbeit nicht scheut. Seine Mutter hat wahrscheinlich nur deshalb an RTL geschrieben, weil sie diesen Part in Norberts Leben nicht mehr länger machen möchte. Was verständlich ist.
Hans-Hermann mit 48 Jahren der Älteste der Nesthocker, würde bei einer normalen Heiratsvermittlung sehr wahrscheinlich als schwieriger Fall eingestuft. Er ist Promoter, was genau er promotet bleibt irgendwie im Dunkeln, er fotografiert gerne, kocht und isst leidenschaftlich gerne, geht oft ins Kino, fährt Rad, was in seiner Heimat Ostfriesland ja hervorragend funktioniert und ist einfach nur gut drauf. Wie viele Menschen die hinter dem Deich leben, ist auch Hans-Hermann ein wenig wortkarg, aber das macht nichts, wie sich herausstellt sammelt er gerne (das Wort Messie wird hier bewusst nicht benutzt ) und er bäckt Bananenpfannkuchen. Welche Frau kann dazu schon nein sagen?
Karsten ist 34 Jahre alt, selbstständiger Bäcker, singt in einer Band und ist ein leidenschaftlicher Familienmensch, was seinen Daueraufenthalt bei Mutti erklärt. Charakterlich beschreibt er sich als offen, ehrlich und einfühlsam. Außerdem ist er sozial, positiv, sportlich und fröhlich. Besser geht es wohl nicht mehr. Er sucht eine Frau zum lieb haben und ihr Äußeres spielt keine Rolle. Oder doch, denn sie sollte schon Wert auf ihr Äußeres legen, aber eigentlich sollte sie mit beiden Beinen im Leben stehen. Das ist besonders wichtig.
Mit Stefan, 29 Jahre, ist die Runde der Junggesellen komplett. Er liebt das Inlineskaten, Skilanglauf, ausgedehnte Spaziergänge und die Renovierung seines Elternhauses. Er bezeichnet sich als ehrlich, offen, einfühlsam und kinderlieb. Genauso sollte auch seine Traumfrau sein. Die Vermutung liegt nah, dass seine Mutter wahrscheinlich nicht länger auf einer Baustelle im eigenen Haus leben möchte und deshalb eine Frau für ihren Sohn sucht.
Mit diesen sieben Kandidaten startete RTL die erste Staffel von „Schwiegertochter gesucht“. Vera Int-Veen, eine beliebte Allzweckwaffe des Senders, spielt die Kupplerin. Zusammen mit einem Kamerateam geht sie zu den verzweifelten Müttern und interviewt sie zusammen mit den mehr oder weniger heiratswilligen Söhnen. Was dann zum Glück und zu einer perfekten Sendung noch dazu gehört, sind natürlich Frauen die bereit sind ein Muttersöhnchen für sich zu gewinnen und gleichzeitig auch der Schwiegermutter zu gefallen. Das ist nicht gerade eine einfache Aufgabe. Aber es finden sich immer mutige Damen, die gerne heiraten möchten, denen die Schwiegermutter egal ist und die gerne mal zur besten Sendezeit im Fernsehen sein möchten. Der Zuschauer darf jetzt erleben, wie die Schwiegermütter in spe, die Söhne und ihre Auserwählten sich beschnuppern, argwöhnisch beobachten und erste zarte Bande knüpfen.
Benjamin hat sich für zwei Damen entschieden, die jetzt von seiner resoluten Mama auf Herz und Nieren geprüft werden. Während Benjamin und seine Mutter entspannt auf dem Sofa sitzen, müssen die beiden Blondinen erstmal bügeln. Dabei fällt Clara, 21 Jahre, leider schon durch den Rost. Sie hat was die Hausarbeit angeht an jeder Hand fünf Daumen und so macht Jennifer das Rennen. Benjamin stellt aber, mit einem Seitenblick auf Mama fest, dass er sehr gerne umsorgt wird. Und überhaupt, Mama kann alles ein bisschen besser und Clara zieht enttäuscht von dannen.
Der naturverbundene Bayer Hans macht schnell deutlich, wie er sich das Leben zu zweit vorstellt. Da sitzt er ganz entspannt mit einem guten Buch im Liegestuhl und seine Mama Ilse schuftet derweil im Garten. Sie beschreibt ihren Sohn als lieb und nett, wenn auch ein bisschen faul. Immerhin spielt er mit ihr Federball.
Dirk hat Melanie und Petra eingeladen, um ihm bei einer Moderation im Kaufhaus zu bewundern. Als Danke Schön fürs durchhalten, dürfen sie mit heim zu Mama Monika. Während Dirk ein wenig gelangweilt über dem Küchenstuhl hängt, ergreift die etwas simpel gestrickte Melanie die Gelegenheit um Dirk und ihre Konkurrentin zu beeindrucken. Sie hilft der Mama beim kochen und es schmeckt anscheinend allen, auch wenn Mama diskret nachwürzt.
Das Leben des Kochs Norbert besteht aus Arbeit, er hatte immer zu wenig Zeit für eine Frau. Seine Mama möchte für ihn eine attraktive, schöne und junge Frau, die aber nicht so flippig sein sollte, da sie sich sonst am Ende in dem kleinen Dorf im Schwarzwald nicht so wohl fühlen würde. Ein Argument das der Zuschauer nachvollziehen kann. Norberts Vater ist etwas überfordert, als die drei Herzensdamen seines Sohnes mit Sack und Pack vor der Tür stehen und Mama selektiert schon mal. Dabei ist Ursula sehr schnell aus dem Rennen. Sie hat erwachsene Kinder und ist selbst schon Schwiegermutter, dass passt leider ganz und gar nicht in Mamas Welt. Nach ihrer Meinung (und die zählt) hat sie doch etwas zu viel Lebenserfahrung.
Hans-Hermann aus Ostfriesland hat schon versucht eine Frau in der Disco anzusprechen (es war leider die Kellnerin) und auch schon ein Inserat geschaltet, aber leider alles ohne Erfolg. Jetzt haben sich er und seine Mutter Waltraud an RTL gewandt. Irgendwann muss es ja mal klappen. Hans-Hermann, der sich als Jungfrau outet, ist sogar bereit mit seiner zukünftigen Herzensdame auf einem geliehenen Mofa in den Sonnenuntergang zu fahren. Mutter und Sohn harmonieren und geben offen zu warum Hans-Hermann immer noch zu Hause lebt. Sie ist meistert seine Krisen und er leistet ihr Gesellschaft. Aber jetzt möchte Mama ganz gerne mal etwas allein unternehmen und Hans-Hermann klammert ein bisschen. Auf seinen Aufruf bekommt er ganze vier Zuschriften und hat Pech. Von den beiden die er ausgewählt hat, will die eine ihn nicht und er mag die andere nicht.
So geht es munter weiter in der Brautschau „Schwiegertochter gesucht“. Verziert wird das Ganze mit flotter Musik und der säuselnden Stimme von Vera Int-Veen, die aus dem Off auswendig gelernte und schmeichelhafte Worte spricht und sich immer so anhört, als wollte sie die Kandidaten so gut wie möglich anpreisen. Wer weiß, vielleicht bekommt sie ja ein Kopfgeld oder vornehmer ausgedrückt, eine Vermittlungsprämie.
Bild(er): © RTL

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